Abschlussveranstaltung: Jazz Slam von Poesie trifft Alltag

61931095_1581495341985306_1172606778538459136_oDienstagabend. Ich fahre nach Bochum und frage mich, wohin mein bester Freund mich da schon wieder eingeladen hat. Trotz Adresse verlaufe ich mich ein bisschen und nachdem ich durch einen unscheinbaren Hinterhof gelaufen bin, finde ich mich an der Music Bakery wieder. Die alte Zwiebackbäckerei im Herzen von Bochum-Bärendorf wird seit einiger Zeit als kulturelles Zentrum genutzt, so wie auch für diesen Jazz-Slam von Poesie trifft Alltag.

Ich komme in einen gut gefüllten Raum und nehme auf dem Boden Platz, weil schon alle Stühle und Sofas besetzt sind. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn es gibt Teppichboden und außerdem ist es eh ein heißer Tag, da ist so ein kalter Boden gut auszuhalten. In der Facebookveranstaltung stand, dass die Veranstaltung um 19:30 beginnen würde, offenbar allerdings einige Minuten früher, sodass ich um 19:20 schon die erste Künstlerin verpasst habe. Also sehe ich als erstes Sebastian 23  auf der Bühne, der für jeden, der sich mit Poetry Slam beschäftigt, vermutlich ein Begriff ist. Er ist Kabarettpreisträger, Autor, Moderator, Poetry Slammer und Begründer von WortLautRuhr. Heute hören wir einen Text über sehr viele Vergleiche, er ist einfach wunderschön und auch lustig. Es sind Kinder im Publikum und diese genießen das Programm sichtlich.

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Das besondere an diesem Slam sind aber nicht nur die wundervollen Texte, die ihren Fokus auf Poesie legen, sondern auch das musikalische Trio, das jeden Text mit Keyboard, Schlagzeug und Kontrabass untermalt. Tobias, Thomas und Viet nehmen die Stimmung jedes Textes direkt auf. Alles ist improvisiert und doch so, als hätten sie es oft geübt. Tobias hat mir verraten, dass die drei sich vor dem Abend gar nicht kannten, also kann man hier von wahrer Improvisation sprechen!

 

Jeder Künstler tritt zweimal auf. Einmal vor und einmal nach der Pause. In seinem zweiten Text spricht Sebastian 23 über den Stadtteil, indem sich die Bakery befindet, Weitmar-Bärendorf. Ich bin gar nicht so weit von Weitmar-Bärendorf aufgewachsen, deshalb kommt mir einiges bekannt vor und ich lache sehr viel. Aber auch der Rest des Publikums wirkt, trotz fehlenden Wissens über den Stadtteil, amüsiert und begeistert.

Moderiert wird das Programm von Theresa Hahl, welche auch die Organisatorin dieses wunderschönen Lyrik-Festivals ist. Am Ende der Veranstaltung komme ich auch in den Genuss, einen ihrer zauberhaften und tiefgreifenden Texte hören zu dürfen. Den ersten habe ich leider verpasst. Sie erzählt von lyrischen Hausbesuchen und Stadtrundgängen und ich frage mich, wieso ich von diesen Veranstaltungen erst jetzt erfahre, eigentlich ist Bochum doch so nah zu Essen. Bei diesen Hausbesuchen hat sie einen Jungen (ungefähr 12 Jahre alt) kennen gelernt, der jetzt im Publikum sitzt, und nach Aufforderung auf die Bphne kommt und ein auswendig gelerntes Gedicht zum Besten gibt. Es ist toll, zu sehen, mit welcher Begeisterung er dabei ist und ich finde es sehr schön, dass in Bochum scheinbar etwas für die poetische Bildung der jungen Generation getan wird.

Danach betritt Miedya Mahmod die Bühne.  Besonders ihr zweiter Text ist mir sehr im Gedächtnis geblieben. Er handelt von Zwangsstörungen und der Kunst, diese zu besiegen. Ihre Sprache, auch beim ersten Text über verlorene Heimaten, ist magisch. Jedes ihrer Worte zieht mich in ihren Bann und löst Emotionen bei mir aus. Beim zweiten Text bin ich kurz vorm Weinen, kann mich aber gerade noch beherrschen. Ihre Präsenz auf der Bühne, in ihrem roten Blumenkleid und ihren verwaschenen Stiefeln dazu, ist einnehmend und doch wirkt sie zerbrechlich. Ich bin tief beeindruckt von ihr und von ihrer Fähigkeit, mit Sprache umzugehen.

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Auch Bülent, aka 2Seiten, versteht es, mit Worten umzugehen. Seine Raps werden perfekt von dem musikalischen Trio untermalt und auch, als er beim ersten Rap seinen Text vergisst, tut das der Stimmung keinen Abbruch und das Publikum klatscht und ruft mit ihm, was das Zeug hält. Da sein Humor, nach eigenen Angaben, zu flach ist für die Bühne, beschränkt er sich in seinem Programm auf nachdenkliche Texte, denn die kann er, so meint er, am besten.

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Besonderer Gast des Abends ist Tokyo Harem. Er stammt aus Madagaskar, spricht kein Deutsch und wenig Englisch. Seine Texte sind auf Französisch oder einer Sprache, die ebenfalls in Madagaskar gesprochen wird. Ich verstehe sehr wenig von den Texten, obwohl ich Franzözisch LK in der Schule hatte, aber das macht nichts. Sie klingen wunderschön und laden zum Träumen ein. Es ist faszinierend, wie Sprache nur durch ihren Klang ohne die Bedeutung einfach wirken kann.

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Der Abend war einfach gelungen und hat eine willkommene Pause vom stressigen Alltag geboten.

Am 07.09. und am 27.09.19 sind weitere Jazzabende im Kulturkiez in Bochum geplant. Schaut unbedingt auf der Seite von Poesie trifft Alltag vorbei, damit ihr dieses Event nicht verpasst! Es lohnt sich!

Alle Fotos sind gemacht worden von @lufrephotography, vielen Dank fürs zur Verfügung stellen!

Bis bald,

eure Rika

 

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