Betrayal – Tom Hiddleston bei Pinter at the Pinter im Harold Pinter Theatre

Liebe Leser,

etwa drei Wochen ist es nun her, dass wir das viel gerühmte Stück Betrayal in der Pinter at the Pinter Season am (wer hätte es gedacht) Harold Pinter Theater gesehen haben. Es hat so lange gedauert, etwas zu Papier zu bringen, weil uns dieses Stück noch lange beschäftigt hat. Die Englische Presse überschlug sich teilweise mit 4- und 5-Sterne Reviews und fand so viele lobende Worte für die Darsteller. Und wir? Tja…

Fangen wir am Anfang an. Oder besser, am Ende. Denn Harold Pinter erzählt die Geschichte dieses Stückes rückwärts. Es geht, wie der Titel schon verrät, um Betrug in verschiedenen Ausprägungen. Emma (Zawe Ashton) ist mit Rober (Tom Hiddleston) verheiratet und hat sieben Jahre lang eine Affäre mit dessen Freund Jerry (Charlie Cox). Zu Beginn des Stückes sehen wir, wie Emma und Jerry sich in einer Bar treffen. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Affäre bereits seit zwei Jahren beendet. Von hier aus begeben wir uns durch die Zeit ihrer Trennung, der schönen gemeinsamen Jahre Emmas sowohl mit Jerry als auch mit Robert bis hin zu ihrem ersten Kuss. Wir sehen immer wieder kurze Ausschnitte aus den Leben, die die Beziehungen der Charaktere zueinander verdeutlichen.

Tom Hiddleston (Robert), Zawe Ashton (Emma) and Charlie Cox (Jerry) in 'Betrayal' directed by Jamie Lloyd. Photo credit Marc Brenner
Tom Hiddleston (Robert), Zawe Ashton (Emma) und Charlie Cox (Jerry) . Foto: Marc Brenner

Das von Soutra Gilmour entworfene Set besteht dabei aus ein paar Stühlen, Bierflaschen und Whiskygläsern sowie allenfalls mal einem Tisch. Auf einer Drehbühne platziert erzielen die Gegenstände in Kombination mit dem wirklich guten Lichtdesign von Jon Clark allerdings doch eine spannende Wirkung. Und seien wir ehrlich, eine gute Story braucht kein krasses Set um zu überzeugen.

Tom Hiddleston (Robert) in 'Betrayal' directed by Jamie Lloyd. Photo credit Marc Brenner..
Tom Hiddleston (Robert). Foto: Marc Brenner

Und da kommen wir auch schon zu der Krux. Denn so umjubelt wie dieses Stück gerade ist, eine Meisterleistung ist es irgendwie nicht. Die Charaktere sind allesamt irgendwie unsympathisch und auch wenn man bei einem rückwärts erzählten Stück natürlich keine Entwicklung der Charaktere erwarten kann, wurde es auch in der Vergangenheit nicht besser. Die Art wie die Geschichte erzählt und von Regisseur Jamie Lloyd interpretiert wird, gibt leider keinem der sonst so talentierten Schauspieler die Möglichkeit, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Ich meine, Charlie Cox war in Broadwalk Empire großartig und es ist ein offenes Geheimnis, dass ich Tom Hiddleston für einen der begnadetsten Schauspieler seiner Generation halte. Okay, okay, er führt meine Liste unangefochten an, aber es gibt wirklich eine Reihe von „close seconds“. Erinnert iohr euch noch daran, wie sehr ich ihn in Coriolanus gefeiert habe? Allerdings muss ich an dieser Stelle eine Lanze für Eddie Arnold brechen, der in einem kurzen Auftritt als Kellner fabelhaft war und mich richtig mitgenommen hat. Dennoch hat mich Betrayal nicht überzeugen können. Ich habe bei einem so geladenen Thema mit großen Emotionen gerechnet, mit Tiefgang und ja, vielleicht auch ein bisschen mit Drama. Dass ich in den ersten 10 Minuten fast ein paar Tränchen vor lachen verdrücken musste, hatte ich nicht erwartet. Ja, es gibt Witz und Charme, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Nicht zwischen den Charakteren und irgendwie auch nicht zum Publikum. Lediglich die Szene, zu der ihr das Bild hier unten seht, hat einen kurzen Einblick in das Können der Darsteller gewährt und es sind sogar ein paar Tränen geflossen. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.

Tom Hiddleston (Robert) and Zawe Ashton (Emma) in 'Betrayal' directed by Jamie Lloyd. Photo credit Marc Brenner
Tom Hiddleston (Robert) und Zawe Ashton (Emma) Foto: Marc Brenner

Ob es daran lag, dass es sich hierbei bereits um die zweite Vorstellung des Tages handelte, kann ich natürlich nicht sagen. Der größte Stimmungskiller des Abends waren auf jeden Fall die Fangilrs und ihre Begleiter, die bereits vor dem Schlussapplaus ihre Plätze verließen um einen der ersten Plätze an der Stage Door zu ergattern. Das war für mich ausgesprochen respektlos den Darstellern und dem interessierten Publikum gegenüber. Da hätte man sich das Ticket doch auch einfach sparen und direkt an der Tür warten können, oder?

 Es fällt mir immer sehr schwer zu schreiben, wenn ich hin und her gerissen bin, was ein Stück betrifft. Ich hoffe, ihr hattet dennoch Spaß an der Lektüre.

Auri, der Theatergeist

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