Disney’s Musical Tarzan im Stage Metronom Theater Oberhausen

Liebe Leser,

vergangenes Wochenende ging es für mich endlich einmal wieder in den Jungle. Leider nicht auf große Reise, sondern nur 30 km weiter in das Stage Metronom Theater nach Oberhausen. Seit November ist das Theater fest in der Hand der wilden Affenbande des Disney Musicals Tarzan. Zuletzt gesehen habe ich es in 2010 in meinem unangefochtenen Lieblingstheater, der Neuen Flora. Damals schon mit Alexander Klaws in der Rolle des Tarzan, der mich damals schon ziemlich beeindruckt hat. Als das Musical nun wieder in meine Nähe gezogen ist, war klar, dass ich es auch wieder besuchen werde. Und diesmal habe ich mir eine ganz besondere Vorstellung ausgesucht. Die persönliche Derniere von Lieblings-Tarzan Alexander.

Das ausgesprochen gelungene Bühnenbild (dessen Urheber ich nicht recherchieren konnte, wenn jemand weiß wer für diese Glanzleistung verantwortlich ist, darf mir das gerne in den Kommentaren mitgeteilt werden) nimmt den Besucher direkt mit in die Geschichte. Dazu trägt auch die spannende Geräuschkulisse und die Einblendung des Logbuches eines Schiffes auf großer Fahrt bei. Ich liebe den Donnerschlag, mit dem das Stück beginnt. Wir werden unmittelbar in einen wilden Sturm katapultiert und sehen einen Mann, seine Frau und das gemeinsame Baby unter Deck eines Schiffes. Es blitzt, donnert, das Holz knarzt, die Takelage schlägt gegen den Mast. Es kommt, wie es kommen muss und die junge Familie erleidet Schiffbruch. Die Darstellung dieser Szene ist nach wie vor eine meiner Liebsten. Auch dieses Mal hat sie ihre Wirkung nicht verfehlt. Gänsehaut jagt über meinen Rücken, das Publikum hält gebannt den Atem an. Das Schicksal ist allerdings noch nicht fertig mit der Familie. Kaum sicher an Land angekommen, werden sie von einem Leoparden angegriffen und des Lebens beraubt. Eben dieser Leopard hat kurz zuvor bereits ein Affenkind geraubt. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, werden durch diese unglücklichen Umstände zu einer Familie zusammengeschweißt.

Für den zweiten Gänsehaut Moment des Abends sorgte Isabel Trinkaus, die als Kala mit einer unglaublich sanften und zugleich kräftigen Stimme „Dir gehört mein Herz“ performte. Möglicherweise hatte ich mit kleinen Tränchen zu kämpfen. Kerchak (Patrick Stanke), der Anführer der Sippe ist natürlich wenig begeistert von dem kleinen Menschen, gibt den Wünschen seiner Partnerin aber nach. So wird Tarzan in die Affenbande aufgenommen und wächst zu einem kleinen flinken Klettermaxen heran. Julian Cremer hat als kleiner Tarzan die Herzen des Publikums direkt erobert. Es war faszinierend mit anzusehen, wie dieser kleine Mensch akrobatisch den großen Tänzern in nichts nachstand und an seiner Liane ebenso mühelos durch die Lüfte zu gleiten schien. Begleitet von Massimiliano Pironti als Terk, dem besten Freund Tarzans, wurde der Song „Du brauchst einen Freund“ einfach nur gerockt. Ich fand es schön zu sehen, wie gut Julian den Konflikt den sein „Anderssein“ im Vergleich zu den anderen Gorillas darstellt. Dieses Anderssein führt letztendlich auch dazu, dass Kerchak den kleinen Nicht-Affen verstößt.  An diesem Punkt muss ich sagen, dass ich Patrick Stanke für einen wirklich guten Sänger halte. Leider ist die Rolle des Gorillas Kerchak nicht unbedingt für einen guten Sänger ausgelegt. Ein paar Mal versucht er seine Stimme zu entfalten, muss dann aber direkt wieder in einen gesprochenen Teil übergehen. Das steht ihm leider nicht so gut, denn es fehlt dem Gorilla ein bisschen Bass in der Stimme.

Disneys Musical TARZAN
Alexander Klaws an der Liane [Foto: Stage Entertainment]

Und dann war er da, der Moment auf den an diesem Abend wohl jeder im Publikum gewartet hat. Alexander Klaws gleitet in einem mehr als knappen Lendenschurz über die Köpfe der Besucher. Natürlich haben wir nicht nur wegen des Lendenschurzes auf diesen Auftritt gewartet. Nein… Es wurde applaudiert, gerufen und einige fanden es wohl schwer auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben. Ja, er macht schon eine gute Figur als Tarzan. Stimmlich, meine ich. Und akrobatisch. Ich bin noch immer beeindruckt von der Biegsamkeit, der Sprunghöhe und der scheinbaren Leichtigkeit, mit denen er einen Flickflack hinlegt. Entschuldigung, kann ich das noch einmal sehen, bitte?! Okay, jetzt mal im Ernst. Es heißt nicht umsonst, Tarzan wäre „Alexanders Rolle“.  An diesem Abend hat er sich allerdings ab und an ein bisschen zu viel Mühe gegeben, was seine Stimme an ihre Grenzen gebracht hat. Man muss natürlich aber auch bedenken, dass ein besonderer Druck auf ihm lag. Es ändert am Gesamteindruck nichts.

Er macht seine Sache gut. Besonders ab dem Moment da er auf Tessa Sunniva van Tol als Jane Porter trifft. Irgendwo zwischen kindlicher Neugierde und den tierischen Instinkten, die ihm anerzogen wurden entwickelt er eine wundervolle Bindung zu der jungen Forscherin. Letztere hat mich positiv überrascht. Nicht nur mit ihrer ebenfalls tollen schauspielerischen Leistung, sondern vielmehr auch mit ihrer Stimme. Für meine Ohren fast schon ein Alt, auf jeden Fall irgendwie untypisch tief für die Titelheldin eines Musicals. Das war eine wahre Wohltat. Voll, klar und ab und an mit einem wirklich niedlich niederländischen Akzent spielt sie sich durch die Botanik Afrikas. Die Chemie stimmte auf jeden Fall zwischen den beiden Hauptdarstellern. Herzerwärmend, rührend und für mich ganz klar ein Garant für feuchte Augen. Ja, ich bin halt auch nah am Wasser gebaut.

Disneys Musical TARZAN
Tessa Sunniva van Tol und Alexander Klaws [Foto: Stage Entertainment]

Tarzan ist eines der Musicals, die nicht nur auf eine gute Leistung ihrer Hauptdarsteller angewiesen sind. Viel mehr lebt es von seinem Ensemble. Ohne die Tänzer, die Affenbande, Schmetterlinge und Blumen mimen, wäre das Stück einfach nicht das Gleiche. Die Jungs und Mädels konnten Körperteile schütteln, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie beweglich sind. Körperspannung war das Zauberwort. Jede Bewegung saß, ohne dass es Mechanisch aussah. Einfach mitreißend waren die Aktionen von Anfang an bis zum absolut emotionalen Finale. Wie schon gesagt, hat mir an diesem Abend auch das Publikum ganz besonders gefallen. Schon während der Show waren einige kaum auf ihren Plätzen zu halten, spätestens aber beim Kuss ging ein Tosen durch den Saal. Wie bei einer Laola Welle im Fußball Stadion ging eine mehr oder weniger fließende Bewegung durch die Reihen. Es blieb wirklich niemand sitzen.

Disneys Musical TARZAN
Das atemberaubende Ensemble [Foto: Stage Entertainment]

Nach jedem Ende kommt ein neuer Anfang ist eine Kernaussage des Stückes. Und so ist der Abschied von Alexander Klaws natürlich nicht das Ende der Spielzeit von Tarzan in Oberhausen. Josh Strickland übernimmt den Lendenschurz, den er 2006 schon bei der Uraufführung am Broadway getragen hat. Große Fußstapfen, in die er da tritt. Aber ich bin mir sicher, dass er sie ohne Probleme ausfüllen wird. Natürlich steht ein Vergleichsbesuch an, mal sehen, wann ich das schaffe.

Ein kleiner Tipp noch für alle, die dem Jungle einen Besuch abstatten wollen: die mittigen Plätze auf dem Hochparkett sind denen in Bühnennähe vorzuziehen. Ihr bekommt einfach ansonsten viel zu wenig von den akrobatischen Einlagen mit und das wäre wirklich mehr als schade!

Mit einem lauten Tarzan-Ruf verabschiede ich mich und spreche noch einmal eine nachdrückliche Empfehlung für dieses Musical aus. Auch wenn ich im Augenblick oft darüber nachdenke, warum Stage Entertainment an anderer Stelle an alten Kamellen festhält, anstatt die Fühler nach den vielen neuen Produktionen auszustrecken, die am Broadway und im West End die Besucher ins Theater ziehen, ist Tarzan noch lange kein alter Hut. Genießt es, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.

Viele Grüße,
Auri der Theatergeist

3 Kommentare zu „Disney’s Musical Tarzan im Stage Metronom Theater Oberhausen

  1. Hallo Auri,
    Vielen Dank für die tolle Rezension! Ich finde es super, dass du über aktuelle Musicals, Theaterstücke und anderes aus NRW und London (!) berichtest. 🙂
    Deine Begeisterung kommt auf jeden Fall über und ich habe einen guten Eindruck von dem Stück bekommen.
    Liebe Grüße, Tanja

  2. Oh das sieht ganz wundervoll aus – jetzt habe ich richtig Lust, auch mal wieder ins Musical zu gehen! 🙂 Liebe Grüße,
    marie

    1. Es freut mich sehr, wenn er Beitrag dich dazu inspiriert hat, selbst einmal wieder zu gehen. Es gibt so viele schöne Musicals die aktuell laufen und es kommen so viele an kleineren Spielstätten hinzu.

      Viele Grüße,
      Auri

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