Behind the Scenes at the Royal National Theatre London

Liebe Leser,

meine Affinität zu Britischem Theater kennt bekanntlich nur wenig (ich möchte sagen gar keine) Grenzen. Das ganze geht so weit, dass ich bei meinem letzten Besuch in London – ihr erinnert euch, sechs Nächte, fünf Shows – einen kleinen Traum in Erfüllung gehen lies und hinter die Kulissen des National Theatre blickte. Die Führungen finden täglich statt und sind für jedermann zugänglich. Mit £9 pro Ticket ist es ein wundervoll erschwinglicher Spaß.

Meine zauberhafte Begleitung und ich reihten uns bei einer Gruppe Schüler ein. Den Altersdurchschnitt haben wir ganz schön angehoben. Oha. Wir durften uns in wundervoll pinke Sicherheitswesten werfen, damit man uns auch auf 100m Entfernung vom normalen Personal unterscheiden kann. Schade, ich hätte mich gerne das ein oder andere Mal von der Gruppe abgesetzt und das Theater auf eigene Faust zu erkunden. Noch verlockender wurde dieser Gedanke, als unser überaus niedlicher Guide sagte, wir müssen alle zusammen bleiben, sonst kämen wir vielleicht nicht mehr raus. Gar kein schlechter Gedanke, nicht wahr? Ich weiß ja nicht, wie es bei euch aussieht, aber für mich wäre eine Nacht eingeschlossen im National Theatre so, wie für viele Kinder eine Nacht in einem Spielzeugladen wäre.

Die Tour begann im größten der vier Theater, die das National Theatre beherbergt. Liebevoll einfach nur „Olli“ genannt, bietet das Olivier Theatre Platz für 1.160 Besucher. Wart ihr schon einmal dort? Ist euch aufgefallen, dass die Bestuhlung in einem schönen, dunklen Lila gehalten ist? Keine Ahnung, normalerweise habe ich Theaterbestuhlung immer in diesem schönen, samtigen Rot im Kopf. Tja, das Olli ist anders. Und die Begründung so banal wie großartig zugleich. Denn Lila war die Lieblingsfarbe des Namensgebers des Theaters. Eine charmante Art, Laurence Olivier zusätzlich Respekt zu zollen, findet ihr nicht? Oh, ich habe so viele interessante Dinge gelernt. Zum Beispiel, dass der Grund für die Rundung der Bühne nicht etwa der besseren Sicht des Publikums dient, sondern der des Schauspielers. Das menschliche Gesichtsfeld beträgt ca. 180 Grad. Wenn der Schauspieler also in der Mitte der Bühne des Ollis steht, hat er das gesamte Publikum im Blick. Cool, oder?

Weiter ging die Tour unter das Theater. Dort ist die beeindruckende „Drum Revolve“ untergebracht. Diese 8m hohe, dreh- und unterschiedlich bewegliche Trommel wird von nur einem Mitarbeiter gesteuert. Verrückt. Sie hat zwei Plattformen, die jeweils ca. 10 Tonnen an Bühnenbild, Requisiten und Co. Tragen können. Während wir dort zu Besuch waren, hat die Drum Revolve das atemberaubende Bühnenbild für „Treasure Island“ getragen. Leider war es nicht möglich ins Innere zu sehen. Das Bühnenbild sah ich allerdings am nächsten Tag ohnehin während der Vorstellung. Doch dazu im Nächsten Beitrag mehr.

Hier um die Ecke, dort entlang. HALT, STOPP! Nicht durch den Torbogen dort, der ist verflucht. Während der ein oder andere Schüler verhalten kicherte, starrten der Tourguide und ich mit gerunzelter Stirn auf das Stückchen Luft zwischen den Toren. Wir sind einfach so unglaublich abergläubisch. Auf der anderen Seite des Durchgangs wartete das Dorfman Theatre auf uns. Es ist wesentlich kleiner als das Olli und fast nur etwa 400 Personen. Bis Ende 2014 war es noch unter dem Namen Cottesloe bekannt. Im September wurde es unter neuem Namen wiedereröffnet. Im Dorfman wurde eines meiner Lieblingsstücke präsentiert „The curious Incident of the Dog in the Nighttime“, mit Luke Treadaway in großartiger Hauptrolle. Die Bestuhlung ist mit Namen versehen. Mit den Namen der edlen Förderer, die den Umbau des Theaters ermöglicht haben. Es finden sich auch viele bekannte Namen dort, unter anderem die der Eltern von Helena Bonham Carter. Oh ja.

Wir vertrödelten anschließend einiges an Zeit damit, Requisiten zu benutzen. Lustige Vögel, gruselige Affen und halbe Gehirne. Aus wirklich ungewöhnlichen Materialien. Hier konnte man wieder einmal sehen, wie gut die Arbeit der Menschen auf und hinter der Bühne ist. Denn einige der Sachen habe ich ein paar Tage später wirklich im Einsatz erlebt. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht gesehen, dass es sich um Schaumgummiteile gehandelt hat. Sehr, sehr cool.

Leider hat der Zwischenstopp bei den Requisiten so viel Zeit in Anspruch genommen, dass wir die anderen beiden Theater nicht mehr besuchen konnten. Aber das war überhaupt nicht schlimm, denn das Gesehene hat mich absolut nachhaltig beeindruckt. Ich kann euch diese Tour wirklich nur mehr als ans Herz legen. Wenn ihr das nächste Mal in London seid, gönnt sie euch. Einziges kleines Manko war, dass man keine Fotos machen durfte. Gern hätte ich diesen Bericht mit einigen coolen Bildern aufgepeppt. Tja, so müsst ihr euch mit meinem Geschwafel und Geschwärme zufrieden geben. Aber ich denke, das haltet ihr dieses eine Mal aus. Beim nächsten Bericht habe ich wieder ganz tolle Bühnenfotos für euch.

Viele Grüße,
Auri der Theatergeist

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