Best damn musical in… Nope!

Liebe Leser,

ganz spontan und um ein sehr chaotisches Jahr entspannt ausklingen zu lassen, habe ich mich gestern Abend dazu hinreißen lassen in die hiesige Musical Night zu gehen. Hiesig heißt in diesem Fall Brunsbüttel. Ihr wisst nicht wo das liegt? Nun ja, verpasst habt ihr nichts. Der kleine Ort an der Stelle, wo die Elbe in die Nordsee mündet, der Nord-Ostsee-Kanal seinen Ursprung hat und bis vor kurzem tatsächlich noch ein aktives Atomkraftwerk stand, hat in der Regel auch nicht wirklich viel zu bieten. Dennoch liegen hier meine Theater-Wurzeln. Genauer gesagt im Elbeforum, einem mittelgroßen Theater mit etwa  500 Plätzen, auf dessen Bühne ich auch schon einmal stehen durfte. In diesem kleinen Ort, auf dieser 140qm großen Bühne geben sich allerdings auch allerhand Größen die Ehre. Warum sollte die Musical Night also schlechter sein, als die Inszenierungen, die man gewöhnt ist?

Musical Nights Ensemble Foto: Musical Nights
Musical Night Ensemble
Foto: Musical Night

Nun, vielleicht lag es an meinen zu hohen Erwartungen, vielleicht an der schlechten Steuerung oder auch einfach an den grauenhaften Kostümen. Für mich war der Abend zwar unterhaltsam, aber alles andere als ein Ohrenschmaus. „Lass den Zauber entstehen“, aus dem Musical Pippin eröffnete den Abend und sollte den Zuhörer auf einen magischen Musical-Abend einstimmen. Was folgte war ein bunter, scheinbar nicht zusammen passender Mix mehr oder weniger aktueller und bekannter Stücke. Der erste Teil des Abends war eine Komposition aus tragischen Stücken wie „On Lexington and 52nd Street“, „Second Hand White Baby Grand“, „Corner of the Sky“ oder „Wer kann schon ohne Liebe sein?“. Das ganze wurde unterbrochen durch eine happy-go-lucky reise durch Disney Musicals. Wobei ich mich gefragt habe, warum man einen so ensemblelastigen Song wie „Der ewige Kreis mit fünf Mann singt, schön war das nicht. Das Ende des ersten Teils versprach dann noch einmal Spannung. Wieso sich „Totale Finsternis“ und der „Tanzsaal“ aus Tanz der Vampire dann allerdings in Sister Acts „Lass die Liebe rein“ auflöste, verstehe ich noch nicht so ganz. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.

Musical Night Ensemble Foto: Musical Night
Musical Night Ensemble
Foto: Musical Night

Nach der Pause wurden wir mit der Ouvertüre aus Tanz der Vampire empfangen, die nahtlos zu einem schmissigen Blues Brothers / Motown Medley über ging. „Everybody needs Somebody“ und „Stop in the Name of Love“ kamen dabei am besten an. Gefolgt wurde das Ganze von einer Sequenz über das Träumen, bei dem der Les Misérables Klassiker „Ich hab geträumt“ nicht fehlen durfte und einem Phantom der Oper Medley. Letzteres zeigte schön, dass wenigstens zwei der fünf Sänger eine sehr klassische Ausbildung hatten. Als sich der Abend dem Ende neigte und ich zwischen ABBA- und We Will Rock You Medley schon keine Perlen mehr erwartete, wurde ich allerdings noch einmal überrascht. Nicht von Deimos Virgillito, der mit seiner Udo-Lindenberg-Darbietung zwar für einige Lacher sorgte, stimmlich aber den ganzen Abend etwas dünn war. Nein, es war Simon Tunkin, der Londoner von der Guildhall School of Music and Drama. Mit einer a capella Version des Carousel-Hits „You’ll never walk alone“, der seine ganze Stimmgewalt zeigte, verursachte er fünf Lieder vor Schluss endlich einmal Gänsehaut.

Vielleicht habt ihr es zwischen den Zeilen bereits gelesen. Stimmlich überzeugte mich der Abend leider überhaupt nicht. Zu dünn hier, sich überschlagend dort und manchmal eben auch einfach nicht richtig besetzt. Bei nur fünf Darstellern natürlich nicht immer zu vermeiden, auch wenn hörbar darauf geachtet wurde, verschiedene Stimmen zusammen zu bringen. Lediglich Alexandra Gentzen und Simon Tunkin verdienen eine sehr lobende Erwähnung.

Es hat an diesem Abend bei weitem nicht alles gepasst und ich gestehe, dass ich vermutlich nicht noch einmal zu einer Musical Night dieser Company gehen werde. Aber die Standing Ovations und das bei „Ich war noch niemals in New York“ ausrastende Publikum zeugten davon, dass die meisten Zuhörer Spaß und einen gelungenen Abend hatten. Jedem das seine und mir… Naja ihr wisst schon.

Viele Grüße,
Auri der Theatergeist

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