Confessions of a Thespian – Warum Theater ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist.

Liebe Leser,

ihr habt es am Titel schon erraten. Dieser Beitrag wird wieder sehr persönlich. Keine Sorge, es wartet auch noch ein Review auf euch, der geschrieben werden möchte. Heute Abend könnt ihr etwas über das Tanzstück „Praise of the Powerful Kingdom“ der Compagnie Heddy Maalem lesen. Dieser Beitrag hier beschäftigt sich im Rahmen einer kleinen Blogparade mit dem Thema „Ausgleich zum stressigen Alltag“. Wenn ihr ab und zu meine Positiven Gedanken verfolgt, werdet ihr vielleicht bereits das eine oder andere Mal gelesen haben, dass mein Job sehr mit Stress behaftet sein kann. Ich Reise viel und arbeite Projektbezogen. Es gibt Wochen, in denen ich außer meinen Kollegen keinen anderen Menschen sehe. Und auch, wenn es in erster Linie Spaß ist, können auch abendliche Termine und private Verpflichtungen in Stress ausarten, wenn man sich in der wenigen Freizeit, die einem zur Verfügung steht auch noch X Termine in den Kalender schreibt. Aus diesem Grund ist es wohl für uns alle besonders wichtig, den ein oder anderen Ausgleich zu haben.

Der Theatergeist zu Besuch beim Operngeist.
Der Theatergeist zu Besuch beim Operngeist.

Es dürfte die wenigsten verwundern, dass mein Ausgleich „Theater“ heißt. Diese Leidenschaft ist jedoch in zwei Bereiche unterteilt, von denen ich hier fast ausschließlich vom eher passiven Teil schreibe. Wobei man nicht sagen kann, dass ins Theater gehen passiv ist. Wenn ich mich für einen Theaterbesuch zurecht mache, erfasst mich immer eine ganz besondere Art der Vorfreude. Es hat vor einiger Zeit mal eine Umfrage gegeben, die angeblich bestätigt, dass sich Menschen die selten ins Theater gehen chic machen, während Wiederholungstäter es gerne mal leger angehen. Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Ins Theater zu gehen ist für mich ein Ritual und auch nach unzähligen gesehenen Produktionen ist das Chic machen noch immer ein fester Bestandteil. Natürlich gehe ich nicht im Abendkleid, aber ein kleines Schwarzes darf es schon sein. Dazu schöne Accessoires, die ich nicht jeden Tag trage und tolles Make-Up. Betrete ich das Foyer eines Theaters hat sich die leise Vorfreude meist schon in ein ungeduldiges Kribbeln verwandelt. Die vielen Menschen, die meine Begeisterung und Leidenschaft zumeist teilen, füllen den Raum mit Gemurmel, meist blinkt und glitzert es hier und da, weil andere Frauen ebenfalls ihren tollen Schmuck heraus geholt haben, und hier und da wird die Cast List, der Regisseur oder die zuletzt besuchte Produktion diskutiert. Herrlich! Für die Pause reserviere ich oft ein Tisch (meist mit Prosecco und einem Snack, damit man für die zweite Hälfte gestärkt ist) und dann kann es gar nicht schnell genug los gehen.

49 1/2 Shades Preview
49 1/2 Shades Preview

Sich in den Sitz fallen zu lassen, heißt sich in eine andere Welt fallen zu lassen. Ob nun eine, zwei oder Shakesperean-Style 4 Stunden. Es gibt nichts besseres, als sich von den Schauspielern in das Stück ziehen zu lassen, mit ihnen zu lachen, zu lieben und zu leiden. Erst gestern war ich wieder so gefangen von einem Stück, dass ich die ersten 10 Minuten nach dem Curtain Call erst einmal gar nichts sagen konnte und dann nur ein „Oh“ raus bekam. Mein Kopf ist dann zwar nicht leer, aber es gibt keine anderen Gedanken, kein „Ah, ich muss noch dieses oder jenes erledigen“ oder „der und der Anruf steht noch aus“. Ich war versucht zu sagen, ich wäre im Hier und Jetzt, aber das stimmt nicht. Denn im Theater bin ich werder hier noch jetzt, sondern ausschließlich DORT. In New Orleans, in einem kleinen Dorf am Rande von London. Mitten in den Bergen, auf einer Burg, an einer leeren Kreuzung oder an Orten, die es gar nicht gibt. Ob 2014 oder 1467, Hauptsache eine Bühne. Dabei ist vollkommen egal, ob es ein kleiner Saal ist oder eine Arena. Hauptsache: Theater, Theater, Theater!

Backstage bei der letzten Aufführung der "Irrlichter"
Backstage bei der letzten Aufführung der „Irrlichter“

Die zweite Facette meiner Leidenschaft entspannt mich fast noch mehr, obwohl sie um einiges anstrengender ist. Der Beitrag heißt nicht umsonst „Confessions of a Thespian“. Der Begriff geht auf Thespis zurück, angeblich der erste Schauspieler der ein Wort auf einer Bühne (es war das Theater Dionysus). Die Schauspielerei ist ein wichtiger Bestandteil meines Alltags, beziehungsweise der Ausgleich dazu. Ich blicke mittlerweile auf beinahe 15 Jahre Erfahrung zurück, wobei darin eine durch mein Studium bedingte Pause von etwa vier Jahren enthalten ist. Es gibt einfach nichts großartigeres, als in den Probenraum zu kommen und das eigene Ich an der Garderobe abzugeben. Überspitzt dargestellt, ist es, als würde man beim Durchschreiten der Tür eine Haut abwerfen und darunter eine andere zum Vorschein kommen. Ob es ein schmieriger Italiener, ein rachsüchtiger Geist oder die Kaiserin von Österreich ist, ich gehe darin auf. Es macht Spaß daran zu arbeiten, die Rolle zu entdecken und zu erforschen. Sich vergessen und ganz neu entdecken. DAS ist mein perfekter ausgleich zum stressigen Alltag.

Viele Grüße,
Auri der Theatergeist

Ein Kommentar zu „Confessions of a Thespian – Warum Theater ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist.

  1. Schöner Beitrag! Ich gehöre bei Theaterbesuchen ja mittlerweile in die „Jeans mit schicken Oberteil“-Fraktion, aber Schminke muss auch immer sein. 😉
    Ich lasse mich auch nur allzu gerne in die Tiefen des Theaters hineinziehen. Und man so viel auf der Bühne machen, was man im „echten“ Leben nicht kann. Man kann einfach mal was riskieren. das finde ich so schön.

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