Shakespeare in Jazz – Caroll Vanwelden

„Betwixt mine eye and heart a league is took,
And each doth good turns now unto the other:
When that mine exe is famish’d for a look,
Or heart in love with sighs himself doth smother,
With my love’s picture then my eye doth feast,
And to the painted banquet bids my heart;
Another time mine eye is my heart’s guest,
And in his thoughts of love doth share a part:
So, either by thy picture or my love,
Thy self away art present still with me;
For thou no farther than my thoughts canst move,
And I am still with them, and they with thee;
Or, if they sleep, thy picture in my sight
Awakes my heart, to heart’s and eye’s delight.“

 

Liebe Leser,

mit diesem Sonett – Nummer 47 – begann für mich vor einigen Wochen ein wunderbarer Abend. Die Belgische Jazz-Musikerin Caroll Vanwelden war im Zuge des Neusser Shakespeare Festivals in das Globe Theater gekommen, um ihr neues Album Caroll Vanwelden sings Shakespeare Sonnets II vorzustellen. Es wird zwar erst in den kommenden Wochen veröffentlicht, war aber schon direkt nach der Uraufführung im Shakespeare Shop des Globe erhältlich. Wer besonders großen Gefallen an den Songs und deren Sängerin gefunden hatte, konnte sich sein frisch erworbenes Schätzchen sogar von der Künstlerin signieren lassen.

Caroll
Caroll Vanwelden
Foto: Ulrich Ambach

Doch zum Konzert. Die zierliche Sängerin mit der kräftigen Stimme hat mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann geschlagen. Ich gestehe, dass ich kein wirklicher Jazz-Fan bin. Wie ihr in meinen bisherigen Beiträgen lesen konntet, mag ich es irgendwie geordnet und klassisch. Jazz ist eine Musikform die dem Künstler natürlich viel Freiraum lässt, mir klingt es aber oft zu unharmonisch und zu gewollt chaotisch. Caroll Vanwelden hat da keine Ausnahme gemacht, doch die geschickte Verbindung von ihrer Musik mit den mir weitestgehend bekannte und vor allen Dingen von mir geliebten Texten hat mich an diesem Abend mit einem neuen Blick auf Jazz an die Sache heran gehen lassen. Und ja, das lag unter anderem auch an der Sängerin höchst selbst. Die Blondine mit dem zuckersüßen Belgischen Akzent ist nämlich ein wahrer Überflieger. Sie hat ihr Jazz Studium am Musikkonservatorium in Gent in nur zwei Jahren abgeschlossen und wurde dann als eine von nur drei Kandidaten/innen an der Guildhall School of Music & Drama aufgenommen. Ja, richtig, das ist die Schule für die sich Otto-Normal-Theater-Fan ein Bein ausreißen würde, um angenommen zu werden. Zu allem Überfluss schaffte Caroll Vanwelden es auch noch, ihr Diplom mit Magna Cum Laude abzuschließen. Beneidenswert.

Carolls warme Stimme schmiegte sich nahezu spielerisch an die schweren Texte des großen Meisters, nahm sie mit und trug sie mit einer Leichtigkeit davon, dass auch die weniger eingefleischten Shakespeare-Fans sie leicht verfolgen konnten. Dazu gab es in einem kleinen Booklet die ausgewählten Sonette auch noch einmal in Textform. Zum nachlesen. Während des Konzertes hatten sich alle Augen nur auf die Bühne gerichtet oder waren geschlossen. Überrascht war ich nur über die Wahl von Sonett 145, das unter Kritikern kontrovers diskutiert wird. Darauf gehe ich aber nicht näher ein, das Thema könnte eine ganze Enzyklopädie füllen und doch zu nichts führen. Fakt ist, dass ich dieses einfache Sonett als eines der schönsten erachte und mich umso mehr gefreut habe, dass es vertont wurde und sogar Eingang in das Album finden wird:

„Those lips that Love’s own hand did make
Breathed forth the sound that said “I hate”
To me that languished for her sake.
But when she saw my woeful state,
Straight in her heart did mercy come,
Chiding that tongue that, ever sweet,
Was used in giving gentle doom,
And taught it thus anew to greet:
“I hate” she altered with an end
That followed it as gentle day
Doth follow night, who like a fiend
From heaven to hell is flown away.
“I hate” from hate away she threw,
And saved my life, saying “not you.”

Caroll Vanwelden und Band Foto: Christoph Krey
Caroll Vanwelden und Band
Foto: Christoph Krey

Begleitet wurde Caroll Vanwelden an diesem Abend von vier wundervollen Musikern, die ich auch noch schnell erwähnen möchte. Thomas Siffling erfreute uns mit wunderbaren Trompeten- und Flügelhornklängen, während Rodrigo Villalon Schlagzeug, beziehungsweise Percussion spielte. Die Gitarre, die eine Vielzahl von verschiedenen Stilen hören ließ, wurde von Jo Ambros gespielt. Am meisten fasziniert war ich jedoch von Mini Schulz, der so unglaublich gut mit seinem Bass umgehen konnte. Ich habe eine Schwäche für Streichinstrumente und auch wenn der Bass natürlich meistens ganz lässig gezupft wird, gehört er für mich irgendwie dazu. Ihr könnt euch meine Überraschung und Freude nicht vorstellen, als Mini Schulz plötzlich einen Bogen hervor zauberte und dem großen Instrument sehr sanfte Töne entlockte. Ein wahrer Ohrenschmaus!

Auch wenn ich noch immer nicht zum Jazz-Fan geworden bin, war dieser Abend mit Caroll und ihren Musikern eine neue und sehr schöne Erfahrung für mich. Ich kann nur jedem empfehlen, mal in ein paar Stücke ihres ersten Shakespeare-Albums herein zu hören. Ihr werdet erstaunt sein, was man aus ein paar alten Sonetten alles machen kann.

Ergebene Grüße,
Auri der Theatergeist

 

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