Shakespeare Festival Neuss – Richard III

Liebe Leser,

es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich dieses Stück gesehen habe. Dass ich es jetzt erst besprechen und niederschreiben möchte, ist gut für das Stück. Denn ich muss ehrlich sagen, dass ich zunächst alles andere als Begeistert von der Inszenierung der Bremer Shakespeare Company. Es war zu schrill, zu durcheinander zu… Hm. Im Nachhinein habe ich vieles gefunden, das mir doch gefallen hat. Aber beginnen wir von Vorne.

Richard III - Michael Meyer Foto: Marianne Menke
Richard III – Michael Meyer
Foto: Marianne Menke

Richards Monolog, der die Einleitung des Stückes bildet, eigentlich direkt dessen Charakter offen legt und mir normalerweise regelmäßig eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt, wurde in dieser Inszenierung als Gesamtwerk des Ensemble vorgetragen. Das hat mich während der Aufführung bereits gestört und leider hat diese Empfindung sich auch bis heute nicht verändert. Die klare Kälte, die Shakespeare in diese Worte gelegt hat, wurde durch Wiederholungen, Überschneidungen und eine unruhige Choreografie ihres Zaubers beraubt. Da half auch die große darstellerische Leistung Michael Meyers als Richard III nichts.

Ensemble - Das meinte ich mit merkwürdige Kostümwahl... Foto: Marianne Menke
Ensemble
Foto: Marianne Menke

Ich neige dazu, die gesamte Interpretation des Stückes als sehr „modern“ zu bezeichnen. Das spiegeln unter anderem auch die Kostüme von Heike Neugebauer wieder. Richard kommt in Lederhose und Springerstiefeln daher, während Queen Elizabeth einen barocken Unterrock in Kombination mit Samtjacke und Halskrause trug. Hastings und Buckingham waren in schlichte Anzüge gekleidet währen Lady Anne ein rotes Korsett und einen bodenlangen Rock trug. Ihr seht, es fehlt an Linie, irgendwie. An Bühnenbild fehlte es ebenfalls komplett, aber das schadet einer Produktion nicht unbedingt. Ich führe mal wieder Coriolanus aus dem Donmar Warehouse an, dem ein paar Stühle voll und ganz gereicht haben. Richard III allerdings lebt von vielen Ortswechseln. Hier kommt eine Sache ins Spiel, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Christian Bergmann, unter anderem Clarence und King Edward, führte als Vice durch das Stück. Mit Witz und einer Sprühflasche, die englischen Nieselregen produzierte, kündigte er Szenenwechsel an und erklärte mit Ruhe und Geduld das Edward-Problem. Immerhin gibt es im Stück gleich drei davon. Zuerst fühlte ich mich als bekennender Shakespeare-Fan ein wenig verschaukelt, doch im Nachhinein finde ich, dass Regisseurin Bianca Beilharz hier ein cleverer Schachzug gelungen ist, Ordnung in ein verworrenes Stück zu bringen.

Lady Anne- Theresa Rose Foto: Marianne Menke
Lady Anne- Theresa Rose
Foto: Marianne Menke

Die Modernität zieht sich weiter durch. Witzig interpretiert war der enthauptete Hastings, dargestellt von Frank Auerbach. Dessen Kopf wurde Richard auf dem Silbertablett präsentiert. Wortwörtlich. Hastings war von da an mit einem Tablett unter dem Kinn zu sehen und sorgte damit für allgemeine Erheiterung. Was sich allerdings bis heute meinem Verständnis entzieht ist eine Szene, in der Teile einer Ritterrüstung, ein Staubsauger und allerlei anderer Kleinkram zum Tragen kam. Ah ja. Ich bin einfach nicht für diese Art des Theaters gemacht. Leider.

Der größte Lichtblick in dieser für mich sehr durchwachsenen Darbietung war in der Tat die schauspielerische Leistung aller Beteiligten. Besonders Michael Meyer und Christian Bergmann möchte ich an dieser Stelle noch einmal hervorheben. Ersterer war ein wunderbar fieser Richard, auch wenn ich einige seiner Taten auf der Bühne (Queen Elizabeth von hinten zu nehmen, beispielsweise) nicht verstanden habe. Letzterer schlüpfte in eine Vielzahl an tragenden Rollen, die er alle auszufüllen vermochte. Doch auch Peter Lüchinger als Buckingham, Kathrin Steinweg als Elizabeth, Frank Auerbach als Hastings, Tyrell und Richmond. Ulrike Knospe als Queen Margaret und Theresa Rose als Lady Anne haben ihre Sache sehr zufriedenstellend erledigt.

Ihr sehr schon, Begeisterung sieht anders aus. Nächste Woche gibt es für euch die Rezension der Produktion der Trafalgar Studios in London. Ich fürchte, ihr werdet ein ganz anderes Stück und eine ganz andere Meinung erleben. Aber dazu nächste Woche mehr.

Ergebene Grüße,
Auri der Theatergeist

2 Kommentare zu „Shakespeare Festival Neuss – Richard III

  1. Hallo Theatergeist,
    bist du dieses Jahr wieder beim Shakespeare Festival in Neuss dabei? Habe mir gerade den Spielplan für dieses Jahr angesehen und dabei viele spannende Stücke gesehen… Oder hat dir Richard III. die Laune an dem Festival vermiest?

    1. Liebe Sarah,
      entschuldige bitte, dass ich dir jetzt erst antworten kann. Aus verschiedenen Gründen konnte ich in den letzten Monaten nicht für diesen Blog da sein.

      Ich wäre sehr gerne gegangen. Dieselben Gründe, die mich vom Bloggen abgehalten haben, haben aber auch den Besuch des Festivals verhindert. Bist du dort gewesen? Wenn ja, wie war es?

      Viele Grüße,
      Auri

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