Außer der Reihe: Kleidung und Kunst

Liebe Leser,

Außer der Reihe schreibe ich heute für euch. Kunst ist Ansichtssache, hat eine gute Freundin einmal gesagt. Aber kann Kunst auch Anziehsache sein? Die Frage nach Kleidung und Kunst stellt in diesen Tagen das Musem Städl nicht nur in seiner Ausstellung um die textilen Skulpturen Erwin Wurms‘, sondern auch in einer Blogparade. Blogger werden dazu aufgefordert, sich selbst in einem Beitrag mit dem Thema Kleidung als Kunstobjekt zu beschäftigen. Mein Beitrag befasst sich mit der vermutlich nicht zu beantwortenden Frage, wann Kleidung zur Kunst wird.

Trash Couture Designer: Martha Kitzbichler Foto: Patrick Altenstrasser
Trash Couture
Designer: Martha Kitzbichler
Foto: Patrick Altenstrasser

Als Beispiel möchte ich dabei eine eigene Erfahrung teilen. Vor einiger Zeit hatte ich ein Shooting, dass unter dem Motto Trash Couture lief. Fotografin und Kreativ-Genie Martha hat hierzu zwei Kleider entworfen. Genutzt hat sie dazu alles, was sich in ihrer Reichweite befand. Und ich denke, hier beginnt der Prozess des Kunst-Schaffens. Martha wollte ausdrücken, dass Kleidung mehr ist, als das hübsche Abendkleid oder die Aufwendig gestylte Lederhose, die zerrissenen Jeans oder der von der People Fotografie so oft verschmähte Schlabber-Look. Trash Couture vereint gebrauchte Materialien, „Müll“ und den Wunsch etwas Anderes, Neues zu schaffen. Da auch Marthas Beitrag sich damit befasst, schlägt meiner an dieser Stelle eine leicht andere Richtung ein. Denn nur, weil man etwas neues Schafft, ist es ja noch lange keine Kunst, oder?

Was ist also Kunst? Unser guter Freund Wikipedia spukt dazu folgendes aus:

„Das Wort Kunst bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen,  Übung,  Wahrnehmung,  Vorstellung  und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede). Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.“

Aaah ja, ist deutlich. Oder nicht? Kunst ist also nicht funktionell? Aber Kleidung ist es doch. Wie passt denn das nun wieder zusammen?  Dazu muss man vermutlich unterscheiden, wie es Yvonne Schütze in ihrer Arbeit Kleidung als und im Kunstwerk des 20. Jahrhunderts unter sozialtheoretischer Perspektive macht. Hier wird Kleidung wie sie auf Bildnissen und Fotografien, also in ihrer täglichen, funktionalen Art, bei der Betrachtung von Kleidung und Kunst unbeachtet bleibt. Sie thematisiert in ihrer fast 400 Seiten langen These lediglich die Kleidung, die als Kunstmittel eingesetzt und somit „ihrer alltäglichen Funktion enthoben“ wird.

Trash Couture Designer: Martha Kitzbichler Foto: Patrick Altenstrasser
Trash Couture
Designer: Martha Kitzbichler
Foto: Patrick Altenstrasser

Ich finde, die Linie verschwimmt hier stark. Denn so sehr ich das Verständnis Schützes Teile, so sehr beschäftigt mich natürlich die Frage nach Fotoarbeiten, bei denen Kleidung speziell eingesetzt wird, um die Geschichte eines Bildes zu erzählen oder eine bestimmte Wirkung zu erzählen. Womit wir wieder bei Marthas Trash Couture sind. Auf den Bildern tragen wir die aus Recyclingmaterialien gefertigten Kleider. Sie sind also Kleidung im herkömmlichen Sinne. Trotzdem sind die nicht funktionell. Auf der Straße würden beide Kleider keine Stunde aushalten. Sie wurden tatsächlich nur für die Entstehung des Fotos geschaffen, entbehren jeglicher Funktionalität und sind nichts weiter als das: Kunst!

So geht es mir auch mit vielen der großartigen Kleider, die es auf so vielen Fashion-Fotos zu sehen gibt. Auch wenn sie natürlich so funktionieren, wie Kleidung es soll, also den Körper des Modells verhüllen, kann man die wenigsten Modelle auf der Straße tragen. Sie wurden, ähnliche wie die Recycle-Mode, nur geschaffen und kunstvoll in Szene gesetzt, um zu gefallen, auf ein Foto gebannt zu werden und so zu überdauern, wenn der Stoff schon lange wieder auseinander gefallen ist.

So oder so, Kleidung und Kunst gehen immer Hand in Hand. Denn es gibt auch noch eine weitere Betrachtungsweise, denn wie viele Menschen machen aus sich selbst ein Kunstwerk, indem sie sich mit außergewöhnlicher Kleidung schmücken. Doch das ist ein anderes Thema. Vielleicht schreibe ich dazu auch noch einmal etwas. Außer der Reihe.

Bis dahin wünsche ich euch einen tollen Abend und einen angenehmen Start ins Wochenende.

Ergebene Grüße,

Auri der Theatergeist.

3 Kommentare zu „Außer der Reihe: Kleidung und Kunst

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