Let me have war, say I – Coriolanus

Liebe Leser,

na hättet ihr das Zitat erkannt? Es wundert mich nicht, falls ihr es noch nie gehört habt.“Coriolanus” ist wohl das am stiefmütterlichsten behandeltste Stück Shakespeares. Verständlich, denn die meisten Römerklamotten sind abgedroschen und ergehen sich in immer gleichen Darstellungs- und Handlungsweisen. Nun, Coriolanus ist anders. Ich habe es dieses Mal als Liveübertragung des National Theaters London gesehen. Vorab sei so viel verraten: Die Besetzung war ein Traum.

 Coriolanus (Tom Hiddleston) and Aufidius (Hadley Fraser).  Photo by Johan Persson.
Coriolanus (Tom Hiddleston) and Aufidius (Hadley Fraser).
Photo by Johan Persson.

Die Geschichte führt uns in ein Rom, in der die Einsetzung von Tribunen bereits begonnen hat. Caius Marcius (unser späterer Coriolanus, hervorragend gespielt von Tom Hiddelston) verkündet, dass die Plebejer fünf Volksvertreter (die Tribunen) wählen dürfen. Klar möchte er sich selbst wählen lassen, denn er fühlt sich zum Herrschen geboren und hat nichts als Verachtung für das Volk übrig. Nun, vorerst kommt er nicht dazu, denn ein anhaltender Krieg zwischen Rom und den Volskern zwingt den jungen Feldherren dazu nach Corioles zu eilen und sich dort der Schlacht zu stellen. Caius Marcius wird von seinen Kameraden getrennt und gelangt allein hinter die Tore der Stadt, wo er edel kämpft und es ihm gelingt die Tore von innen zu öffnen und die Römer zum Sieg zu führen. Er erhält den Beinamen Coriolanus.

Soweit so gut. Wir wissen aus Erfahrung, dass den größten Helden natürlich immer wieder viele Steine in den Weg gelegt werden. Das geschieht natürlich auch bei unserem guten Coriolanus, der dem Tod nur entgeht, indem er sich in die Verbannung zurückzieht. Hier gelingt Shakespeare eine grandiose Wendung, über die ich euch im Dunkeln lassen werde. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schaut euch das Stück an, es wird euch fesseln.

8. Coriolanus (Tom Hiddleston). Photo by Johan Persson.
Coriolanus (Tom Hiddleston). Photo by Johan Persson.

Apropos fesseln… Ich war absolut hingerissen von der großartigen Besetzung. Tom Hiddelston hat den Coriolanus mit so einer Leidenschaft und Hingabe gespielt, dass er gegen Ende des Stücks in Tränen ausbrach und mir damit einen theatralischen Glücksmoment lieferte, der Seinesgleichen wohl nie wieder findet. Mr. Hiddelston versteht es, feine Nuancen in Gestik und Mimik zu ganz großem Kino werden zu lassen und kann mühelos in einer Sekunde den Stadtradt polternd verfluchen und sich in der nächsten liebevoll zu seiner Frau wenden, ein ganz anderer Mensch.

Menenius (Mark Gatiss).  Photo by Johan Persson.
Menenius (Mark Gatiss).
Photo by Johan Persson.

Doch dieser Brite war nicht der Einzige, dessen Leistung mein Herz hat höher schlagen lassen.Mark Gatiss (oh Gott, ich LIEBE diesen Kerl) hat Menenius ganz wundervoll interpretiert und an ihm eine interessante Seite gezeigt, die ich so noch nicht kannte. Kommen wir zu Hadley Fraser. Sagt euch nichts? Hm, das solltet ihr ändern. Jung, schneidig und mit einer großartigen Stimme gesegnet verkörpert er mit Aufidius den Gegesnpieler Coriolanus. Und zwar so überzeugend, dass ich mich teilweise wirklich erschreckt habe.

Ihr merkt schon, ich bin überschwänglich. Und ja, ich sage es oft und werde es hiermit auch niederschreiben: NTLives Coriolanus war mit Abstand das beste Stück, das ich bisher gesehen habe.

Euer ergebener Theatergeist

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s